Wie geht eigentlich Weihnachten?

Geflüchtete Frauen können in einem Kurs des Jobcenters Fragen zu kulturellen Besonderheiten stellen. Ghazal Mejek stammt aus dem Irak. Vor drei Jahren ist sie mit ihrer Familie nach Hagen gekommen. Vieles war hier neu für sie. Vor allem die Bräuche der Deutschen. Zwei Jahre lang hat sich die Jesidin gefragt, was es eigentlich mit Weihnachten auf sich hat. Dieses Jahr bekommt sie – wie 19 weitere Frauen – Antworten auf ihre Fragen.

20 Frauen mit Fluchterfahrung nehmen im Werkhof an „Patchwerk“ teil. Das ist eine Arbeitsgelegenheit (AGH) des Jobcenters. Hierbei werden die Teilnehmerinnen einerseits an den Arbeitsmarkt herangeführt, andererseits lernen sie Deutschland kennen. In der Regel bleiben die Frauen für ein Jahr in diesem Kurs. So erleben sie alle Festtage mindestens einmal mit. „Für mich ist Weihnachten sehr schön. Aber ich verstehe es nicht. Wofür gibt es einen Baum?“, fragt sich Ghazal Mejek. Sonderpädagogin Natalie Gluch, die sich um die 20 Teilnehmerinnen von Patchwerk kümmert, erklärt: „Der Tannenbaum ist ein Baum, der immer grün ist. Das ist ein Symbol für Gesundheit und langes Leben.“ Rojin Ahmad aus Syrien kennt diese Baum-Tradition. Als Kurdin stellt sie selbst einen Baum im Dezember auf. Allerdings nicht so stark geschmückt und nicht so bunt. „Wir nehmen Holz und Stroh. Hier ist alles rot. Warum?“ Dass Rot die Farbe der Könige und der Liebe ist, erfährt sie. Und dass Jesus der König der Christen und dass Weihnachten das Fest der Liebe ist.

Die Teilnehmerinnen von Patchwerk sind schon seit Wochen mit dem Nähen von Taschen und Socken beschäftigt. Was das mit dem Fest zutun hat, will nicht nur Ghazal Mejek wissen. „In die Taschen und Socken kommen Geschenke. Dann braucht man kein Papier“, erläutert Natalie Gluch. Dabei weist sie direkt darauf hin, dass es darum geht, aus alten Dingen Neues zu schaffen. Außerdem soll Müll vermieden werden. Das verstehen die Frauen. Dass es überall Weihnachtsmärkte gibt, können sie ebenfalls problemlos nachvollziehen: „Da kauft man Geschenke und trifft sich mit Freunden. Das ist sehr schön“, lobt Rojin Ahmad.

Natalie Gluch freut sich, dass die Teilnehmerinnen so offen ihre Fragen stellen: „Die Frauen sind sehr interessiert an der deutschen Kultur.“ Durch den Austausch könnten sich die 20 Damen außerdem gegenseitig besser kennen lernen. Bei den vielen unterschiedlichen Herkunftsländern und –kulturen, die bei „Patchwerk“ zusammenträfen, sei dies ein wichtiger Lerneffekt. „Natürlich üben wir damit auch die deutsche Sprache“, fügt die Anleiterin hinzu. Während der Feiertage bleibt nicht nur der Werkhof, sondern die ganze Stadt geschlossen. Das haben die Damen ebenfalls gelernt. „Ich bleibe dann zuhause, aber meine Kinder gehen zu ihren deutschen Freunden“, erzählt Ghazal Mejek. Sie wünscht sich, nächstes Jahr selbst deutsche Freunde zu haben und mit ihnen zu feiern. Und wie das so ist an Weihnachten: Viele Wünsche gehen in Erfüllung.


Info: Das Jobcenter Hagen bietet zwei Arbeitsgelegenheiten nur für Frauen an. Neben „Patchwerk“ beim Werkhof ist dies „Stoffwechsel“ beim alpha e.V. +++ Das Jobcenter Hagen ist zwischen Weihnachten und Neujahr regulär geöffnet.

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