Von Hundemasseuren und Seifenschnitzern

Story des Monats: Seit April 2016 werden selbstständige Leistungsbeziehende im Jobcenter von Spezialisten betreut.

Abwechslungsreich und komplex: So beschreiben zwei, die sich auskennen, die Selbstständigen-Betreuung im Hagener Jobcenter. Alexander Hahn aus dem Leistungsbereich und Mark Scherpf aus der Vermittlung kümmern sich mit vier weiteren Kolleginnen und Kollegen um alle Personen, die in irgendeiner Form selbstständig sind. Etwa 350 sind das aktuell. Rund ein Viertel von ihnen gilt als „Notselbstständige“, wie es im Fachjargon heißt, sind also klassische Aufstocker. Ihnen fehlen manchmal nur kleine Beträge, um aus dem Leistungsbezug zu kommen. Ein weitaus größerer Teil ist aber dauerhaft vom Jobcenter abhängig: „Manche haben zwar einen Gewerbeschein, verdienen aber weniger als 200 Euro. Davon haben wir eine ganze Reihe“, sagt Mark Scherpf, der zum Team Bewerber-Service gehört. Er sieht es als seine Aufgabe, in solchen Fällen auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen: „Wenn die Selbstständigkeit nicht tragfähig ist, erkläre ich den Kunden, dass es besser ist, das Gewerbe abzumelden, um nicht in die Schuldenfalle zu geraten.“ Damit es gar nicht erst soweit kommt, bieten und er und seine Kollegin Bianca Nienerza regelmäßig Gruppen-Infos für Menschen an, die sich selbstständig machen wollen.

Die zwei Arbeitsvermittler und vier Leistungssachbearbeiter für Selbstständige sitzen auf einem Gang im Gebäude am Berliner Platz 2. „Das ist sehr sinnvoll, denn so haben wir kurze Wege und können uns gut austauschen und eng zusammenarbeiten“, berichtet Alexander Hahn. Dass es im Jobcenter Hagen Spezialisten für dieses Thema gibt, findet Hahn wichtig: „Denn die Berechnungen sind sehr kompliziert und verlangen viel Berufskunde.“

Wie viel Strom braucht ein Pizzabäcker? Wie viel Gas darf ein Schausteller abrechnen? Welche Konzessionen muss ein Gastwirt haben? Derartige Fragen stellen sich bei jeder Prüfung auf Leistungen. „Alle sechs Monate müssen wir berechnen, wie viel Gewinn der Selbstständige gemacht hat. Daraus ergibt sich dann, wieviel Anspruch er bei uns noch hat.“ Dafür müssen alle Belege aus dem Wirtschaftsjahr des Unternehmens gesichtet und bewertet werden. „Manche kommen mit einer Tüte voll mit Unterlagen. Andere geben am Empfang sechs Aktenordner ab. Häufig sind die Belege nicht sortiert“, weiß Alexander Hahn. Da dauert die Bearbeitung schon mal länger. Bei seltenen Berufen, wie dem Seifenschnitzer oder der Hundemasseurin, müsse zudem geprüft werden, welche Betriebsausgaben wirklich für die Tätigkeit wirtschaftlich und angemessen sind. „Wir hatten mal einen Versicherungsvertreter, der wollte einen Porsche als Dienstwagen absetzen“, erinnert sich Alexander Hahn. „Das geht natürlich nicht. Denn für diese Tätigkeit reicht auch ein Kleinwagen, um zum Kunden zu gelangen“, sagt der Leistungssachbearbeiter, dem seine Arbeit nach eigenem Bekunden richtig Spaß macht. „Wir lernen jeden Tag Neues. Kein Tag ist wie der andere.“

Infos: Ein Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus 2012 besagt, dass in Deutschland rund 125.000 Selbstständige Leistungen vom Jobcenter erhalten. 52 Prozent von ihnen verdienen bis zu 200 Euro. Nur zwei Prozent haben ein verfügbares Einkommen von 1.000 Euro oder mehr.

Wichtig: Ab dem 12. März 2018 stellt das Jobcenter Hagen auf die eAkte um. Das heißt, Kundinnen und Kunden sollten auch im eigenen Interesse nur noch Kopien einreichen, da diese gescannt und danach vernichtet werden.

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Große Geschenke dank Job für die Mama

Story des Monats: Die alleinerziehende Marie-Kristin Kühn kann ihrer Tochter nun zu Weihnachten mehr Wünsche erfüllen.

Weihnachten im Hause Kühn steht in diesem Jahr unter einem besonders guten Stern: Mama Marie-Kristin hat am 1. Oktober eine Stelle als Bürokraft gefunden. Mit ihrem Gehalt und dem Einstiegsgeld vom Jobcenter kann sie ihrer vierjährigen Tochter endlich größere Wünsche erfüllen. Vorher, mit dem Arbeitslosengeld II, musste die Alleinerziehende genau schauen, was sie sich leisten konnte.

Über die Aktion „Jobs für Eltern“ war Marie-Kristin Kühn im September erstmals zu ihrem jetzigen Arbeitgeber, der 2015 gegründeten Firma HagenRail, gekommen. Das Hagener Jobcenter hatte – dieses Jahr speziell auch für Alleinerziehende – Vorstellungsgespräche direkt in Betrieben organisiert. Jens Schweda, kaufmännischer Verantwortlicher beim jungen Bahndienstleister „HagenRail“, ist begeistert von diesem Service und seiner Kollegin: „Das war sehr praktisch, dass uns das Jobcenter zwei vorausgewählte Damen vorgestellt hat. Wir haben uns dann am selben Nachmittag für Frau Kühn entschieden – und sind mit ihr sehr zufrieden.“ Gerade für kleine Unternehmen sei es schwierig, sich durch Berge von Bewerbungen zu arbeiten, „die dann manchmal auch einen falschen Eindruck vermitteln“, weiß Schweda.

Für Marie-Kristin Kühn war der sogenannte Bewerbershuttle zum Arbeitgeber der Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. „Als Alleinerziehende hat man es bei Bewerbungen schwer. Da kommen nur Absagen.“ Obwohl der Kindergartenplatz ihrer Tochter sicher sei, hätten offenbar viele Arbeitgeber die Sorge gehabt, sie würde häufiger fehlen, vermutet die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte. „Für uns wäre das kein Problem, wenn Frau Kühn mal nicht kommen könnte. Wir machen hier ja keine Notoperationen“, scherzt Jens Schweda. Ganz gezielt hätte sich HagenRail für eine Alleinerziehende entschieden: „Aus sozialen Gründen, weil diese Mütter es sowieso schon schwerer haben.“ Und so sind vor Weihnachten alle Beteiligten glücklich. Und die Tochter von Marie-Kristin Kühn kann sich an Heiligabend über ihr neues Puppenhaus freuen.

Info: Das Einstiegsgeld (ESG) ist eine finanzielle Leistung des Jobcenters, die den Wiedereinstieg in das Erwerbsleben erleichtert und an den Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin ausgezahlt wird.

Im Jobcenter Hagen werden durchschnittlich etwa 2100 Alleinerziehende pro Monat betreut, davon etwa 94 Prozent Mütter. Rund 630 der Alleinerziehenden haben ein Erwerbseinkommen, über die Hälfte davon einen Minijob. Rund 1400 AEZ sind arbeitsuchend, mehr als 300 sind langzeitarbeitslos (länger als zwei Jahre).

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Bewerber-Service organisiert Stammtisch

Story des Monats: 55 Personen hat das Jobcenter Hagen zu Amazon vermittelt. Zur besseren Vernetzung der Beschäftigten aus Hagen gibt es nun einen Stammtisch.

Der Bewerber-Service des Hagener Jobcenters ist für seine lösungsorientierten Ideen bekannt. Das jüngste Beispiel: Ein Stammtisch für Amazon-Beschäftigte in Dortmund, die in Hagen wohnen und keine Möglichkeit haben, den Arbeitsplatz zu erreichen. „Manche wohnen in Außenbezirken, wo morgens und abends keine Busse fahren. Wenn die Leute dann keinen Führerschein und kein Auto haben, kommen sie nicht zum Job“, weiß Britta Moranz vom Bewerber-Service. Bislang hat noch das Jobcenter die Beförderung der 25 Kundinnen und Kunden organisiert und finanziert. „Wir haben Kleinbusse gechartert, die die Beschäftigten in ihren Stadtteilen einsammeln. Morgens zur Frühschicht und abends zur Spätschicht werden sie nach Dortmund gebracht. Nach Feierabend geht die Fahrt zurück“, erläutert Teamleiterin Karin Schellenberg. Doch nach drei Monaten läuft die Förderung für diese Mobilitätshilfe aus. Und was dann?

Damit die Neu-Beschäftigten die außerhalb gelegene Arbeitsstätte in Dortmund weiterhin pünktlich erreichen, unterstützt das Jobcenter sie dabei, Fahrgemeinschaften zu gründen. Denn von den insgesamt 55 vom Jobcenter vermittelten Personen hat die Mehrheit ein Auto – einige davon wurden auch vom Jobcenter bezuschusst. Vermittlerin Rosemarie Wrede erklärt, wie die Vernetzung läuft: „Wir haben alle 55 zu einem Stammtisch eingeladen. Die in der Frühschicht arbeiten nachmittags, die Spätschicht vormittags. Dort konnten Beschäftigte ohne Auto und mit Auto sich kennenlernen und klären, ob sie zusammen fahren können.“ Das Angebot wurde gut angenommen. Direkt beim ersten Stammtisch am Dienstag, 5. Dezember, fanden sich drei Fahrgemeinschaften. Vielleicht, so die Hoffnung der Vermittlungsfachkräfte, gibt es noch andere motorisierte Personen in Hagen, die bei Amazon in Dortmund arbeiten und Fahrgemeinschaften gründen möchten. „Wer ein Auto hat und jemanden nach Dortmund mitnehmen kann, soll sich bitte bei uns melden. Wir geben die Kontaktdaten dann gern weiter“, wirbt Britta Moranz.

Andrea Gebhardt, Geschäftsführerin des Jobcenters Hagen, freut sich über den Erfolg des ersten Stammtischs: „Es ist schön zu sehen, dass wir durch eine kleine Hilfestellung dazu beitragen können, dass die nicht-motorisierten Amazon-Beschäftigten aus Hagen auch weiterhin gut und sicher zur Arbeit kommen.“

Britta Moranz vom Bewerber-Service ist unter Telefon 02331/36758-713 zu erreichen, Rosemarie Wrede unter 02331/36758-603.

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