Sozialer Arbeitsmarkt bringt Hagen voran

2019 startet das neue Programm der Bundesregierung. Auf Einladung des Jobcenters trafen sich wichtige Akteure zu einer ersten Konsensrunde.

Wenn am 1. Januar 2019 der Soziale Arbeitsmarkt als Regelleistung der Jobcenter gesetzlich in Kraft tritt, wird Hagen vorbereitet sein. Auf Einladung von Jobcenter-Geschäftsführerin Andrea Gebhardt trafen sich heute, 29. Juni 2018, Vertreterinnen und Vertreter von Jobcenter, Arbeitsagentur, Stadt, Wirtschaft, Politik und Arbeitgebern sowie anderen arbeitsmarktlichen Institutionen, wie dem DGB, zu einem ersten Konsensgespräch.

Alle waren sich einig: Das neue Programm, für das in den nächsten Jahren vier Milliarden Euro bundesweit zur Verfügung stehen, bedeutet für die Stadt Hagen eine große Chance. Zum einen erhalten Menschen, die lange Zeit Leistungen beim Jobcenter bezogen haben, eine berufliche Perspektive. Zum anderen können damit einfache, aber dennoch gesellschaftlich bedeutsame Tätigkeiten wahrgenommen werden. Beispiel: Stadtteilhausmeister oder die soziale Begleitung von Senioren. Die Ideen der Teilnehmenden am Konsensgespräch waren dann auch vielfältig.

Anders als in Vorgängerprojekten ist der Soziale Arbeitsmarkt darauf ausgelegt, auch Tätigkeiten in Unternehmen zu schaffen. Durch eine Qualifizierung während der fünfjährigen Tätigkeit können gleichzeitig Fachkräfte für den Arbeitsmarkt generiert werden. Wichtig: Eine Verdrängung regulärer Arbeit ist ausgeschlossen.

Noch vor der Sommerpause soll das nächste Gespräch der Konsensrunde stattfinden. Bei diesem Treffen wird es dann darum gehen, welche Potenziale sowohl das Jobcenter bei seinem Klientel sieht als auch welche Arbeitskräftebedarfe für einfache Tätigkeiten die Unternehmen sehen.

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Jobcenter Hagen macht mit bei »NRW inklusiv«

»NRW inklusiv« – Geschäftsführerin Andrea Gebhardt hat die Rahmenvereinbarung unterzeichnet.

Ein wichtiges Thema im Jobcenter Hagen ist es seit jeher, die berufliche Integration von arbeitsuchenden Menschen mit Beeinträchtigungen zu verbessern. Um dies auch öffentlich zu bekunden und noch intensiver an diesem Ziel zu arbeiten, hat Geschäftsführerin Andrea Gebhardt kürzlich eine entsprechende Rahmenvereinbarung mit der Landesinitiative »NRW inklusiv« unterzeichnet. Damit ist das Jobcenter Hagen nun Teil dieser Initiative, zu der auch das Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS NRW), die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit sowie die kommunalen Spitzenverbände gehören. „Das Jobcenter Hagen hat in der Vergangenheit schon Ideen entwickelt, um Menschen mit Beeinträchtigungen den Weg auf den Arbeitsmarkt zu ebnen. Für uns ist aber wichtig, Netzwerkpartner zu haben, die sowohl auf lokaler als auch überregionaler Ebene mit uns daran arbeiten“, sagt die Geschäftsführerin.

Als Beispiel nennt Andrea Gebhardt die gezielte Stellenakquise für schwerbehinderte Menschen. Etwa 1100 Kundinnen und Kunden mit Schwerbehinderung (ab einem Grad der Behinderung von 50) oder Schwerbehinderten Gleichgestellte (ab einem Grad der Behinderung von 30) gibt es im Jobcenter Hagen. Hinzukommen rund 300 Rehabilitanden. Damit sie ihre Kompetenzen im Betrieb unter Beweis stellen können, unterstützt das Jobcenter sogenannte Trainingsmaßnahmen. Bei diesen Praktika lernen sich beide Seiten kennen. Der Beitritt zur Landesinitiative »NRW inklusiv« ist für das Jobcenter Hagen damit ein logischer und sinnvoller Schritt, denn sie setzt sich unter anderem für eine bessere Vernetzung verschiedener Akteure ein, um Menschen mit Beeinträchtigungen in der Grundsicherung gezielter und effektiver zu unterstützen. Hierüber können noch mehr Arbeitgeber gewonnen werden, denn Arbeitgeberverbände und Kammern werden einbezogen. Auch die Zusammenarbeit mit den Landschaftsverbänden, den Rehabilitationsträgern, Integrationsämtern und Selbsthilfeorganisationen will die Initiative ausbauen und damit die Schnittstellen optimieren.

Die Landesinitiative hat aber auch ein weiteres Ziel: Integrationsarbeit soll nicht nur nach außen, sondern auch innen stattfinden. So setzt das Jobcenter Hagen seit Anfang 2018 verstärkt auf ein inklusives betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Dies fördert nicht nur die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten im Jobcenter, sondert sensibilisiert sie zusätzlich für die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden. Beispiel Bewegung an der frischen Luft: Dafür haben 28 Mitarbeitende des Jobcenters im Rahmen des BGM mit großem Erfolg am Hagener Firmenlauf teilgenommen.

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Jobcenter investiert 17 Millionen Euro in Bildung

HAGEN – Bildungsmöglichkeiten gibt es für jeden: Die Integrationsfachkräfte helfen dabei, das richtige Angebot für Kundinnen und Kunden zu finden.  Rund 17 Millionen Euro: Soviel plant das Jobcenter Hagen in diesem Jahr in die Bildung und persönliche Entwicklung seiner Kundinnen und Kunden zu investieren. Allerdings rechnet das Jobcenter mit dieser Summe unter Vorbehalt, denn noch hat die neue Regierung die Haushalte der Jobcenter nicht endgültig genehmigt.

Die Bedürfnisse der etwa 28.000 Menschen, die in Hagen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGBII) beziehen, und von denen etwa 18.000 erwerbsfähig sind, sind – auch was die Bildung betrifft –, sehr unterschiedlich. Und deshalb ist das Portfolio groß. Es gibt Angebote zur Strukturierung des Tagesablaufs, Persönlichkeitcoachings genauso wie hochspezialisierte Weiterbildungen. Was das Richtige und Wichtige für sie ist, entscheiden die Kundinnen und Kunden gemeinsam mit ihrer Integrationsfachkraft. „Jede Person soll bei uns das am besten zur Lebenssituation passende Angebote erhalten“, verdeutlicht Andrea Gebhardt, Geschäftsführerin des Jobcenters. Natürlich sei es wünschenswert, dass jeder erwerbsfähige Leistungsberechtigte eine Ausbildung absolviere, „aber manchmal passt das einfach nicht zu den derzeitigen Lebensumständen.“ Junge Männer mit Familie hätten häufig als vorrangiges Ziel, eine Arbeit aufzunehmen, um aus dem Leistungsbezug herauszukommen. „Natürlich beraten wir sie dazu, dass eine Ausbildung auf Dauer die beste Lösung ist. Aber die Entscheidung liegt bei den Kunden selbst“, sagt Andrea Gebhardt.

Rund zwölf Millionen Euro stehen für integrationsorientierte Instrumente zur Verfügung. Darunter fallen zum Beispiel die klassischen Aus- und Weiterbildungen und alle Kosten, die damit einhergehen, wie Lehrbücher, Fahrkosten und natürlich auch die Lehrgangskosten. Circa 2,8 Millionen Euro stehen für beschäftigungsschaffende Maßnahme bereit. Dazu zählen auch die sogenannten Arbeitsgelegenheiten, im Volksmund „Ein-Euro-Jobs“ genannt. Sie richten sich an langzeitarbeitslose Bewerberinnen und Bewerber und dienen häufig als erster Schritt in Richtung Erwerbstätigkeit. Spezielle Maßnahmen für Jugendliche unter 25 Jahren sind mit gut 1,5 Millionen Euro angesetzt. Dazu zählen Angebote wie die Einstiegsqualifizierung oder ausbildungsbegleitende Hilfen. Für Menschen mit Behinderungen steht über eine halbe Million Euro bereit.

Wenn Ende April das neue Weiterbildungs-Informationszentrum des Jobcenters am Graf-von-Galen-Ring 18 eröffnet, können sich Kundinnen und Kunden dort zusätzlich umfangsreich informieren und beraten lassen. Bei „Job Future“ gibt es zum Beispiel Info-Material der Bildungsträger in Hagen und Umgebung nach Berufsgruppen und Qualifikationsstufen sortiert. So wird es ganz einfach, das passende Bildungsangebot zu finden.

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