Mit Neueinstellungen Geld sparen

Story des Monats: Menschen mit Schwerbehinderung zu vermitteln, ist eine Aufgabe von Jobcenter-Mitarbeiter Holger Hasenburg. Das ist anspruchsvoll und bedarf einer guten Beratung. Denn nicht alle Arbeitgeber wissen, dass sie finanzielle Unterstützung erhalten, wenn sie einen Arbeitsplatz für Menschen mit Handicap schaffen. Deshalb hat das Team Reha/SB des Jobcenters im August Hagener Betriebe angeschrieben, um sie für die Einstellung von Schwerbehinderten zu sensibilisieren. Die Firma Schake aus Eckesey hat sich von Holger Hasenburg beraten lassen. Über das Ergebnis freut sich der hörbehinderte Boubkar Nuna, der jetzt eine Stelle als Schweißer bei dem Traditionsunternehmen erhalten hat.

894 Kundinnen und Kunden, die schwerbehindert oder Schwerbehinderten gleichgestellt sind, betreut das Hagener Jobcenter. Viele von ihnen sind hochmotiviert und bringen eine Ausbildung oder Berufserfahrung mit. Dennoch finden sie keine Stelle. Auf der anderen Seite suchen Unternehmen händeringend Mitarbeitende. Einige von ihnen entrichten darüber hinaus eine Ausgleichsabgabe, weil sie ihre Quote an schwerbehinderten Beschäftigten nicht erfüllen. „Das Geld, das die Unternehmen zahlen, fließt dann in einem Topf beim Integrationsamt“, erklärt Holger Hasenburg. „Damit werden andere Firmen unterstützt, die Schwerbehinderte einstellen.“ Die Ausgleichsabgabe könnten Betriebe also ganz einfach sparen, indem sie Arbeitsplätze mit Menschen mit Handicap besetzen – die fachlich genauso gut geeignet sind wie ihre Mitbewerber ohne Einschränkung.

Wie man es wirtschaftlich sinnvoller macht und sich gleichzeitig noch sozial engagieren kann, zeigt die Firma Schake mit Sitz an der Eckeseyer Straße. Der Betrieb suchte einen Schweißer und gab Boubkar Nuna eine Chance. Der gehörlose Hagener brachte bereits Erfahrungen in diesem Bereich mit und hatte gerade einen aktuellen Schweißerschein gemacht. Nach einem erfolgreichen Kennenlern- Praktikum erhielt Boubkar Nuna bei dem Unternehmen einen Vertrag. Vorher musste die Firma aber noch den Arbeitsplatz des neuen Kollegen so einrichten, dass die Hörbehinderung keine Rolle spielt. „Zum Beispiel musste sichergestellt werden, dass Herr Nuna nicht versehentlich mit einem Gabelstapler zusammenstößt, weil er diesen nicht heranfahren hört“, berichtet Holger Hasenburg. Nach einem Besuch im Betrieb kann der Vermittler berichten, wie dieses Problem gelöst wurde: „Der neue Mitarbeiter hat bestimmte Laufwege erhalten, auf denen keine Stapler fahren dürfen.“

Zufrieden mit der Beratung des Jobcenters und der Vermittlung des neuen Mitarbeiters sind Christian Hohage und Christian Schubert, beide aus dem Bereich Arbeitsvorbereitung/Betriebsleitung bei Schake. „Die Vermittlung durch das Jobcenter ist super gelaufen. Ich finde es wichtig, auch Schwerbehinderten eine Chance zu geben“, sagt Christian Hohage. Im Team habe der neue Kollege, der von den Lippen lesen kann, gleich Unterstützung erfahren. Anderen Unternehmen könne er durchaus empfehlen, bei der Stellenbesetzung auch Menschen mit Handicap zu berücksichtigen, betont Christian Hohage.

Arbeitgeber, die sich über Fördermöglichkeiten für die Einstellung schwerbehinderter Menschen informieren möchten, erreichen Holger Hasenburg vom Jobcenter unter Telefon 02331/36758-665.

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Früher Kaufhausbesitzerin, heute Integrationsbegleiterin

Story des Monats: Nuray Tekcan hatte früher ein eigenes Geschäft. Heute unterstützt sie Frauen, sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt zurecht zu finden.

Fragt man die elegante junge Frau mit dem Kopftuch und dem langen Rock danach, was ihr Berufswunsch als Jugendliche war, braucht sie nicht lange zu überlegen.  „Fremdsprachen-Korrespondentin“, sagt Nuray Tekcan und fügt direkt an, „aber dann habe ich mich für eine Pflegeausbildung entschieden.“ Also begann die heute 36-Jährige nach der Fachoberschulreife eine Ausbildung zur Krankenschwester – und brach sie irgendwann ab. Jung heiratete sie und bekam eine Tochter. Es folgte die Trennung von ihrem Mann und eine Karriere als Besitzerin eines Kaufhauses. „Mein Geschäft war richtig bekannt in Hagen“, sagt die Hagenerin mit türkischen Wurzeln. Doch dann musste sie ihre Selbstständigkeit aus privaten Gründen aufgeben.

Unterstützt durch das Jobcenter besuchte Nuray Tekcan Weiterbildungen in Business English und Online-Marketing mit E-Commerce und erhielt entsprechende Stellenangebote. Auf ihre Bewerbungen bekam sie positive Rückmeldungen, „doch für die Stellen hätte ich in die Türkei ziehen müssen, was ich wegen meiner Tochter aber nicht wollte“, berichtet die alleinerziehende Mutter.

Stattdessen entschied sie sich, selbst nähen zu lernen. Im Frauenprojekt „Stoffwechsel“, einer Arbeitsgelegenheit des Jobcenters, zu der auch eine Second-Hand-Boutique gehört, konnte sie ihre Erfahrungen aus dem eigenen Geschäft miteinbringen. Als Nuray Tekcan dann eine interne Stellenausschreibung des Bildungsträgers alpha e.V. für eine Integrationsbegleiterin über das Programm „Soziale Teilhabe“ sah, bewarb sie sich sofort – und bekam den Job. Ihre Aufgaben sind vielfältig und kommen ihrem Traumberuf der Fremdsprachenkorrespondentin schon recht nah: „Ich begleite die Frauen hier in der Bildungsmaßnahme und übersetze zum Beispiel bei Behördengängen“, berichtet die Hagenerin. „Ich springe aber auch in den Kursen nur ein, wenn die Frauen wirklich gar nicht weiterkommen“, betont Nuray Tekcan, die gerade einen Arabischkurs besucht, um ihre Kenntnisse in dieser Sprache zu erweitern. „Ansonsten ermutige ich die Frauen, immer mehr Deutsch zu sprechen oder deutsches Fernsehen zu schauen.“ Zudem erklärt die Integrationsbegleiterin den Frauen aus 14 Ländern scheinbar ganz einfache Dinge: „Letztens habe ich ihnen gezeigt, wie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aufgebaut ist.“ Stolz ist Nuray Tekcan darauf, dass einige Migrantinnen sie als Vorbild wahrnehmen und sich beispielsweise für vertiefende Deutschkurse anmelden.

Einrichtungsleiterin Silvia Knotte, die wie ihre Mitarbeiterin erst vor Kurzem neu bei „Stoffwechsel“ gestartet ist, ist froh über diese Unterstützung: „Jetzt wissen wir, dass die Informationen, die wir den Teilnehmerinnen geben, wirklich verstanden werden.“

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Theatermachen ist sein Job

Story des Monats: Thomas Pieper (52) konnte dank Sozialer Teilhabe seinen Traumberuf ergreifen.

Thomas Pieper hat viel Spaß an seiner Arbeit. Das merkt jeder, der den 52-Jährigen in seinem „Büro“ im Hagener Arbeitslosenzentrum (HALZ) an der Rathausstraße trifft. Wobei das Wort „Büro“ Piepers Wirkungsstätte nur unzureichend beschreibt. Denn der Schreibtisch im großen Saal des HALZ ist nur ein Ausschnitt aus der bunten Revue, die Thomas Piepers Job ausmacht. Seit April kümmert sich der Hagener im Rahmen des Programms „Soziale Teilhabe“ um Kunst und Kultur im Arbeitslosentreff.

„Ich möchte, dass das HALZ ein Kulturzentrum wird für Leute, die wenig Geld haben und die woanders nicht so gern gesehen werden“, sagt Thomas Pieper, der offiziell den Titel „Concièrge“ trägt. Dazu gibt er einerseits Bands oder Künstlern eine Chance vor Publikum aufzutreten, die noch nie auf einer Bühne gestanden haben. Das können externe Künstler sein oder die Gruppen aus dem Zentrum. Denn seit einiger Zeit gibt es im HALZ einen Chor und eine Theatergruppe unter Piepers Leitung. Andererseits erhalten die Gäste im HALZ kostenfreie Kulturangebote.

Ein weiteres Ziel verbindet der Kulturmanager mit seinen Bemühungen: „Ich möchte den Menschen die Schwellenangst nehmen, zu uns zu kommen. Wer uns bei einer Kulturveranstaltung kennenlernt, kommt dann vielleicht auch später zu einer Gruppe.“ Gern möchte er arbeitslose Alleinerziehende erreichen. Denn hierfür plant Pieper eine neue Gruppe.

Thomas Pieper weiß genau, wie sich die Besucher im HALZ fühlen. Der gelernte Lagerist war selbst arbeitslos, bevor er das Theaterspielen für sich entdeckte und damit auch seinen Berufswunsch als Theaterpädagoge. Seine Geschichte erzählt der alleinerziehende Vater freimütig: „Ich habe den Job verloren und meine Frau hat mich verlassen. Meine Tochter durfte ich nicht sehen. Mir ging es richtig schlecht. Ich habe ich ein paar Monate rumgegammelt. Dann musste ich Hartz IV beantragen.“

Was zunächst wie das Ende seiner Träume wirkte, entpuppte sich schließlich als Chance seines Lebens. Denn das Jobcenter bot Thomas Pieper die Möglichkeit, an einem Theaterprojekt mitzuwirken. Anschließend absolvierte er in Moers ein Praktikum als theaterpädagogischer Assistent. Da ihm zwischenzeitlich seine Tochter zugesprochen worden war, entschied sich Thomas Pieper, in Hagen zu bleiben, statt in Neuss eine Umschulung als Theaterpädagoge zu beginnen. Da passte es perfekt, dass er beim Jobcenter vom Projekt „Soziale Teilhabe“ hörte.

Martina Pazyna von der Diakonie, Einrichtungsleiterin im HALZ, ist ganz begeistert von dem Förderprogramm: „Es passte alles ganz genau: Wir suchten jemanden für kulturelle Angebote, als Herr Pieper uns darauf ansprach. Zeitgleich kam Soziale Teilhabe. Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter funktionierte wunderbar und Herr Pieper konnte kurz darauf schon bei uns anfangen.“

Zwei Millionen Euro stehen für 75 Jobs in Hagen zur Verfügung, die zusätzlich, wettbewerbsneutral und im öffentlichen Interesse sind und Kundinnen und Kunden des Jobcenters eine Perspektive bieten. Seit Februar 2017 haben bereits 17 Hagener eine Stelle über Soziale Teilhabe aufgenommen. Einen der Jobs hat sich Thomas Pieper gesichert, der die Diakonie von seiner Idee eines Kulturzentrums im HALZ – inklusiv Kulturmanager – begeistern konnte. 25 Stunden in der Woche arbeitet Pieper dort festangestellt und mit viel Enthusiasmus: „Das ist der coolste Job, den ich je hatte. Er passt mir wie ein Maßanzug.“

Soziale Teilhabe: Zielgruppe der in den Fokus genommenen Bewerber sind Leistungsberechtigte ab einem Alter von 35 Jahren. Sie müssen seit mindestens vier Jahren SGB II-Leistungen beziehen und zusätzlich noch entweder mit mindestens einem minderjährigen Kind in einer Bedarfsgemeinschaft leben und bzw. oder gesundheitliche Einschränkungen haben.

Gefördert werden sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze (ohne Versicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung), die die Voraussetzungen des §16d SGB II erfüllen, somit zusätzlich, im öffentlichen Interesse und wettbewerbsneutral sind. Das heißt: Es dürfen keine regulären Arbeitsplätze durch soziale Teilhabe ersetzt werden. Ähnliches gilt bereits für Arbeitsgelegenheiten (AGH). Als Grundarbeitszeit wird von 30 Wochenstunden ausgegangen. Alternativ sind Wochenarbeitszeiten von 25, 20 oder 15 Stunden möglich, wenn die Rahmenbedingungen eine Beschäftigung von 30 Stunden nicht realisierbar erscheinen lassen.

Arbeitgeber, die arbeitsmarktfernen Personen über einen „Sozialen Arbeitsmarkt“ eine sinnstiftende, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und somit die soziale Teilhabe ermöglichen möchten, können sich im Jobcenter Hagen an Herrn Drabek wenden. Er ist Ansprechpartner für Arbeitgeber und ihre Fragen rund um das Bundesprogramm „soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“.

Kontakt: Jobcenter-Hagen.Team866@jobcenter-ge.de

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