Theatermachen ist sein Job

Story des Monats: Thomas Pieper (52) konnte dank Sozialer Teilhabe seinen Traumberuf ergreifen.

Thomas Pieper hat viel Spaß an seiner Arbeit. Das merkt jeder, der den 52-Jährigen in seinem „Büro“ im Hagener Arbeitslosenzentrum (HALZ) an der Rathausstraße trifft. Wobei das Wort „Büro“ Piepers Wirkungsstätte nur unzureichend beschreibt. Denn der Schreibtisch im großen Saal des HALZ ist nur ein Ausschnitt aus der bunten Revue, die Thomas Piepers Job ausmacht. Seit April kümmert sich der Hagener im Rahmen des Programms „Soziale Teilhabe“ um Kunst und Kultur im Arbeitslosentreff.

„Ich möchte, dass das HALZ ein Kulturzentrum wird für Leute, die wenig Geld haben und die woanders nicht so gern gesehen werden“, sagt Thomas Pieper, der offiziell den Titel „Concièrge“ trägt. Dazu gibt er einerseits Bands oder Künstlern eine Chance vor Publikum aufzutreten, die noch nie auf einer Bühne gestanden haben. Das können externe Künstler sein oder die Gruppen aus dem Zentrum. Denn seit einiger Zeit gibt es im HALZ einen Chor und eine Theatergruppe unter Piepers Leitung. Andererseits erhalten die Gäste im HALZ kostenfreie Kulturangebote.

Ein weiteres Ziel verbindet der Kulturmanager mit seinen Bemühungen: „Ich möchte den Menschen die Schwellenangst nehmen, zu uns zu kommen. Wer uns bei einer Kulturveranstaltung kennenlernt, kommt dann vielleicht auch später zu einer Gruppe.“ Gern möchte er arbeitslose Alleinerziehende erreichen. Denn hierfür plant Pieper eine neue Gruppe.

Thomas Pieper weiß genau, wie sich die Besucher im HALZ fühlen. Der gelernte Lagerist war selbst arbeitslos, bevor er das Theaterspielen für sich entdeckte und damit auch seinen Berufswunsch als Theaterpädagoge. Seine Geschichte erzählt der alleinerziehende Vater freimütig: „Ich habe den Job verloren und meine Frau hat mich verlassen. Meine Tochter durfte ich nicht sehen. Mir ging es richtig schlecht. Ich habe ich ein paar Monate rumgegammelt. Dann musste ich Hartz IV beantragen.“

Was zunächst wie das Ende seiner Träume wirkte, entpuppte sich schließlich als Chance seines Lebens. Denn das Jobcenter bot Thomas Pieper die Möglichkeit, an einem Theaterprojekt mitzuwirken. Anschließend absolvierte er in Moers ein Praktikum als theaterpädagogischer Assistent. Da ihm zwischenzeitlich seine Tochter zugesprochen worden war, entschied sich Thomas Pieper, in Hagen zu bleiben, statt in Neuss eine Umschulung als Theaterpädagoge zu beginnen. Da passte es perfekt, dass er beim Jobcenter vom Projekt „Soziale Teilhabe“ hörte.

Martina Pazyna von der Diakonie, Einrichtungsleiterin im HALZ, ist ganz begeistert von dem Förderprogramm: „Es passte alles ganz genau: Wir suchten jemanden für kulturelle Angebote, als Herr Pieper uns darauf ansprach. Zeitgleich kam Soziale Teilhabe. Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter funktionierte wunderbar und Herr Pieper konnte kurz darauf schon bei uns anfangen.“

Zwei Millionen Euro stehen für 75 Jobs in Hagen zur Verfügung, die zusätzlich, wettbewerbsneutral und im öffentlichen Interesse sind und Kundinnen und Kunden des Jobcenters eine Perspektive bieten. Seit Februar 2017 haben bereits 17 Hagener eine Stelle über Soziale Teilhabe aufgenommen. Einen der Jobs hat sich Thomas Pieper gesichert, der die Diakonie von seiner Idee eines Kulturzentrums im HALZ – inklusiv Kulturmanager – begeistern konnte. 25 Stunden in der Woche arbeitet Pieper dort festangestellt und mit viel Enthusiasmus: „Das ist der coolste Job, den ich je hatte. Er passt mir wie ein Maßanzug.“

Soziale Teilhabe: Zielgruppe der in den Fokus genommenen Bewerber sind Leistungsberechtigte ab einem Alter von 35 Jahren. Sie müssen seit mindestens vier Jahren SGB II-Leistungen beziehen und zusätzlich noch entweder mit mindestens einem minderjährigen Kind in einer Bedarfsgemeinschaft leben und bzw. oder gesundheitliche Einschränkungen haben.

Gefördert werden sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze (ohne Versicherungspflicht in der Arbeitslosenversicherung), die die Voraussetzungen des §16d SGB II erfüllen, somit zusätzlich, im öffentlichen Interesse und wettbewerbsneutral sind. Das heißt: Es dürfen keine regulären Arbeitsplätze durch soziale Teilhabe ersetzt werden. Ähnliches gilt bereits für Arbeitsgelegenheiten (AGH). Als Grundarbeitszeit wird von 30 Wochenstunden ausgegangen. Alternativ sind Wochenarbeitszeiten von 25, 20 oder 15 Stunden möglich, wenn die Rahmenbedingungen eine Beschäftigung von 30 Stunden nicht realisierbar erscheinen lassen.

Arbeitgeber, die arbeitsmarktfernen Personen über einen „Sozialen Arbeitsmarkt“ eine sinnstiftende, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und somit die soziale Teilhabe ermöglichen möchten, können sich im Jobcenter Hagen an Herrn Drabek wenden. Er ist Ansprechpartner für Arbeitgeber und ihre Fragen rund um das Bundesprogramm „soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“.

Kontakt: Jobcenter-Hagen.Team866@jobcenter-ge.de

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Das Jobcenter als Sprungschanze zur Karriere

Noch vor einem Jahr sah sich Huu Nhan Ta selbst als „kleiner Reisverkäufer“. Jetzt vertritt er selbstbewusst ein internationales Unternehmen in der ganzen Welt.

Die Geschichte von Huu Nhan Ta aus Hagen klingt wie ein modernes Märchen: Da ist der 28-jährige Verkäufer in einem kleinen asiatischen Lebensmittelgeschäft, der plötzlich für eine internationale Firma die Welt bereist. Die Geschichte beginnt so: Huu Nhan Ta hat große Pläne. Er studiert nach dem Abitur am Fichte-Gymnasium ein paar Semester Elektrotechnik, will sich mal mit einem Onlinehandel selbstständig machen. Doch ihm fehlt die Praxis. Deshalb fängt er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann an, beendet sie erfolgreich und wird übernommen. Es gefällt ihm so gut, dass er die Selbstständigkeit nicht mehr weiter verfolgt. „Bis zur Rente wollte ich in der Firma bleiben“, erzählt Huu Nhan Ta. Aber mit seinem Teilzeitgehalt kommen der sympathische junge Mann und seine Familie irgendwann nicht mehr über die Runden. Und an Geld für die Hochzeit des Paares, das inzwischen ein Baby hat, ist gar nicht zu denken. 2016 entschließt sich der Hagener schließlich, die Hilfe des Jobcenters in Anspruch zu nehmen. Das entpuppt sich als sehr gute Entscheidung des gebürtigen Vietnamesen. Denn nur ein paar Monate später ist aus dem schüchternen Kaufmann ein erfolgreicher Vertriebsmitarbeiter in einem chinesischen Unternehmen geworden – Weltreisen und Hochzeit inklusive. Jetzt war Huu Nhan Ta noch einmal im Jobcenter, um sich zu bedanken.

„Ich habe mir bis vor einem halben Jahr gar nichts zugetraut. In meinen Bewerbungsunterlagen habe ich mich wie einen kleinen Reisverkäufer dargestellt“, sagt Huu Nhan Ta heute. Im Spätsommer war es, dass seine Vermittlerin im Jobcenter ihm ein Coaching vorschlug. „Mir war klar, dass Herr Ta großes Potenzial hat“, berichtet Jenny Weckermann. Denn er konnte viel mehr als in seinen Unterlagen stand. Also bot sie dem 28-Jährigen an, eine solche individuelle Beratung zu absolvieren. Das Jobcenter übernimmt dafür die Kosten. Huu Nhan Ta suchte sich den Bildungsträger „Tertia“ aus. Drei Gespräche hatte er dort, dann waren die Bewerbungsunterlagen top und der junge Familienvater deutlich selbstbewusster. Das war im Oktober. „Statt auf Stellen wie Geldzähler oder Verkäufer wie sonst habe ich mich nun als Vertriebsmitarbeiter bei einer internationalen Firma beworben“, erinnert er sich. Montags habe er die Bewerbung verschickt. Mittwochs sei er zum Gespräch eingeladen worden und am Freitag habe er schon für die chinesische Firma im Flugzeug nach Italien gesessen. „Ich bin so glücklich. Ich bin ein völlig neuer Mensch“, freut sich der junge Mann mit der modischen Brille. Nicht nur, dass er jetzt so viel verdiene, dass seine Familie gut leben könne. Er fühle sich auch viel besser. Denn mit dem guten Gehalt konnte Huu Nhan Ta endlich das tun, was schon so lange geplant war: Er hat seine Lebensgefährtin geheiratet. Das Foto zeigt Vermittlerin Jenny Weckermann und Huu Nhan Ta.

Vier Jahre Kampagne »Null Toleranz bei Gewalt«

17 Männer haben im Jobcenter Hagen derzeit Hausverbot, vier davon unbefristet. Sie alle haben Mitarbeitende im Jobcenter entweder körperlich oder verbal attackiert.

Michael Bus17 ist gemessen an der Zahl der Personen, die vom Jobcenter betreut werden, eigentlich sehr wenig. Rund 27.000 Hagener beziehen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II und sind damit beim Jobcenter gemeldet. Doch für die Mitarbeitenden sind diese Einzelfälle, in denen sie mit Morddrohungen überzogen oder angegriffen wurden, traumatisch.

Damit es gar nicht so weit kommt, hat das Jobcenter Hagen im April 2013 die Kampagne „Null Toleranz bei Gewalt“ gestartet. Überall in den Gebäuden hängen Plakate, die darauf hinweisen, dass jede Form von Gewalt geahndet wird. Vor allem aber soll es die Mitarbeitenden darin bestärken, frühzeitig Grenzen aufzuzeigen. „Manche Kolleginnen und Kollegen tolerieren zum Beispiel Beleidigungen, weil sie hoffen, einem erbosten Kunden so keine Angriffsfläche zu bieten. Doch gerade in solchen Situationen wäre es besser, deutlich auf die vorliegende Grenzüberschreitung hinzuweisen“, betont Michael Bus, der als Bereichsleiter unter anderem für das Personalwesen zuständig ist. „Meistens sorgt ein klarer Hinweis auf unsere Null-Toleranz-Politik dafür, dass sich die Lage schnell wieder entspannt“, sagt Bus. Lässt sich ein aggressives Gegenüber trotzdem nicht beruhigen, sollen die Mitarbeitenden den Sicherheitsdienst verständigen.

Die Null-Toleranz-bei-Gewalt-Kampagne macht jedem klar: Kommt es zu körperlichen Angriffen oder Drohungen schaltet das Jobcenter Hagen sofort die Polizei ein. Auch bei Gewaltandrohungen per Mail oder Telefon wird keine Ausnahme gemacht. „Die Polizei nimmt dann eine sogenannte Gefährderansprache vor“, weiß Michael Bus (Foto). Dazu wird der Kunde von Polizisten aufgesucht. Parallel verhängt das Jobcenter ein Hausverbot. In 75 Prozent der Fälle wird es nach einer gewissen Zeit und bei entsprechender Einsicht des Kunden wieder aufgehoben.